Geologie

Die geologische Entwicklung des Wesertals im Eiszeitalter

Gegen Ende der Tertiärzeit vor ca. 3 Millionen Jahren begann die Eintiefung der Weser und ihrer Nebenflüsse als Folge der großräumigen Hebung des heutigen Niedersächsischen Berglandes.

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Die Entstehung des Kames - Terassen von Krankenhagen-Möllenbeck im Eiszeitalter vor ca. 200.000 Jahren

Das Einschneiden der Flüsse führte zur Abtragung der anstehenden Festgesteine, die Flußtäler wurden vertieft, das gelöste Material wurde in Richtung Meer transportiert.

Unterbrochen wurde dieser Erosionsvorgang nur zeitweilig als Folge der eiszeitlichen Klimaschwankungen. In kalten Klimaphasen fehlte die schützende Waldbedeckung. Der ständige Wechsel von Auftauen und Gefrieren des Bodens führte zu Entstehung sehr großer Mengen aufgelockerter Gesteine. Diese sogenannten "Hangschuttmassen" kamen unter den damals herrschenden Klimabedingungen schon bei geringen Hangneigungen ins Gleiten. So gelangten sie in derartig großem Umfang in die Täler, dass die Kraft der Weser nicht mehr ausreicht, um sie vollständig abzutransportieren. Der Fluß lagerte das Material lediglich um, die einzelnen Komponenten wurden zugerundet und als Schotterkörper sedimentiert. Es entstanden die sogenannte Fluß-Terrassenkörper, bestehend aus Kiesen und Sanden des näheren und weiteren Abtragungsgebietes.

In der darauf folgenden Warmzeit schnitt sich der Fluß dann erneut in seine eigenen Ablagerungen ein, um sein Abtragungswerk fortzusetzen. In der anschließenden Kaltzeit kam es zurBildung der nächst jüngeren Flußterrasse.

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Vor Ende der Elster-Eiszeit vor ca. 330 000 Jahren unterschied sich das Flußnetz noch in vielen Teilen erhelblich von dem heutigen. Damals floß die Weser von Hameln aus nach Nord-Osten, um bei Nordstemmen in die jetztige Leine zu münden. Daher treten bei Möllenbeck als älteste Flußablagerunger der Weser die Mittelterrassen-Kiese aus der Saale-Kaltzeit auf. Ihr Terrassenkörper, dessen Oberfläche ca. 20 m über der heutigen Talaue liegt, läßt sich aufgrund seiner oft markanten Ausbildung gut verfolgen.

Während der Aufschotterung dieses Terrassen-Körpers verschlechterte sich das Klima noch weiter. Das nordische Inlandeis wuchs an. Der Eisrand der Drenthe-Vereisung (Saale-Kaltzeit) begann von Skandinavien aus nach Süden vorzurücken. Er erreichte die Mittelgebirge auf breiter Front und versperrte der Weser den Durchfluß durch die Porta. Als Folge davon staute sich das Wasser des Flusses vor dieser natürlichen Barriere. Es bildete sich ein See, der sich von der Porta bei Minden bis nach Hameln erstreckte. Feinkörnige Partikel wurden abgesetzt. Sie bilden des sogenannten "Rintelner Staubeckenton". (Profil A)

Hierauf rückte der Eisrand abermals rasch vor. Er drang bis weit in das Bergland ein und hinterließ vor ca. 200 000 Jahren den Geschiebelehm der Hauptdrenthevereisung. Aus dieser Ablagerung stammen die meisten Geschiebe, die im Möllenbecker Findlingsgarten aufgestellt sind. (Profil B)

Damit war das Kältemaximum dieser Eiszeit überschritten. Die Temperaturen stiegen wieder an, das Eis schmolz langsam ab. Innerhalb des heutigen Wesertals zerfiel das Inlandeis in einzelne Toteiskörper. Aus deren Schmelzwässern sowie aus den Sedimenten der nun wieder periodisch fließenden Weser wurden dei Kieskörper vor Krankenhagen-Möllenbeck sowie die weitaus umfangreicheren von Möllbergen-Veltheim als sogenannte "Kames" abgelagert. Ihre relativ große Höhe über dem heutigen Flußbett von bis zu 90 m erklärt sich durch den Rückstau des Wassers vor der Porta, wo das Inlandeis den Abfluß behinderte. Bei dem gesamten Geschehen handelt es sich um einen aus geologischer Sicht äußerst kurzen Vorgang der geschätzt wohl weniger als 1000 Jahre gedauert haben dürfte. (Profil C)

Geringfügig später wurde dann durch einen Paß des Wesergebirges im Bereich "Die Emme" bei Kleinenbremen sowie durch einen Paß in Steinbergen ("Grafensteinerhöh") von den Schmelzwässern des abtauenden Inlandeises zwei Schwennfächer aufgeschüttet. Gleichzeitig begann die Abtragung, die Kames-Körper erhielten nach und nach ihre heutige Form (Profil D).

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